Wer das Auto teilt, kann 3000 Euro sparen

19. November 2012

Wer das Auto teilt, kann 3000 Euro sparen

Mobil. Carsharing erobert nach den Städten nun auch das Land. Immer mehr Gruppen schließen sich zusammen, um ein Fahrzeug gemeinsam zu nutzen.

Angelika Wienerroither Salzburg (SN). Wilma Heihsler aus Seekirchen wollte nicht mehr investieren. „Mein altes Auto war schon 13 Jahre alt, für ein neues hätte ich mindestens 10.000 Euro Kapital gebraucht.“ Dazu noch 600 Euro pro Jahr für Versicherung und 500 Euro für den Service, das Tanken gar nicht mitgerechnet. Ein Auto teilen kam da billiger, deshalb schloss sie sich der Carsharing-Gruppe Seekirchen an.

Caruso Carsharing heißt das Vorarlberger Unternehmen, das das Reservierungssystem im Internet betreibt. Projektleiter Christian Steger-Vonmetz will beweisen, dass Autoteilen auch auf dem Land funktioniert. „Wir helfen Privatpersonen, Firmen und Gemeinden eine Gruppe zu gründen.“ 700 Menschen nutzen das System, 46 Autos in Österreich, Italien und Tschechien sind registriert. Bei Wilma Heihsler sieht dies so aus: Zehn Seekirchener teilen sich in dieser Gruppe zwei Toyota Yaris. „Wenn einer ein Auto braucht, reserviert er es im Internet.“ Hin und wieder komme es zwar zu Terminkollisionen, aber: „Wir telefonieren, dann lässt sich vieles lösen.“

Der Vorteil bei Carsharing sei, dass man rund 3000 Euro im Jahr sparen könne. Den Preis pro gefahrenen Kilometer machen sich die Gruppen selbst aus, die Kosten für das Privatauto sollen gedeckt sein. „Wir wollen aber nicht, dass sich jemand mit Carsharing bereichert.“ Daher empfehlen sie das Kilometergeld als Richtwert für die gefahrenen Wege.

Mangelnde Mobilität brauche man bei Carsharing nicht zu befürchten: „Die Verfügbarkeit ist größer, als man denkt.“ Bei der ersten Carsharing-Gruppe in Bregenz kommen vier Autos auf 24 Nutzer. „Die Leute sind spontan, sie nehmen sich einfach ein freies Auto.“

Die Seekirchenerin Heihsler wünscht sich manchmal schon mehr Bequemlichkeit. „Hin und wieder würde ich gern am Wochenende spontan in die Berge fahren, vor allem wenn herunten der Nebel hängt.“ Bei einem Carsharing-Auto brauche sie sich aber um nichts kümmern. „Es hat schneit und ich musste zum Reifen wechseln lassen. Das hat mich früher genervt.“ Mit Carsharing sei das kein Problem mehr. „Das Auto steht dort, vollgetankt, richtig bereift und mit gemachtem Service.“ In die Arbeit fährt sie mit dem Zug, nur wenn sie ihren Bruder besucht oder wandern geht, benutzt sie das Auto.

Diesen Effekt hat auch Unternehmer Steger-Vonmetz bemerkt. „Die Menschen gehen bewusster mit dem Auto um.“ Wenn man automatisch zum Schlüssel greife, denke man weniger an den Zug oder an Mitfahrgelegenheiten. Durch Carsharing würden also auch CO2 -Emissionen eingespart.

Für die Zukunft wünscht sich Steger-Vonmetz, dass sich noch mehr Gruppen finden. „Wir möchten, dass in jeder Gemeinde in Vorarlberg ein Carsharing-Auto steht.“ Er will vor allem Firmen ansprechen. „Am Wochenende arbeitet niemand, da könnten die Autos von Privatpersonen genutzt werden.“ Das Auto sei ohnehin bezahlt und Carsharing würde das Image der Firma steigern: „Sie zeigen soziale Verantwortung.“

Das Konzept von Carsharing ging auch in Wien auf. Der Automobilhersteller Daimler bietet mit dem Projekt car2go 352 Autos an und erreicht damit nach eigenen Angaben 7000 Kunden.


Edition: Salzburger Nachrichten vom 17.11.2012



< zurück zur Übersicht