Mein Auto? Dein Auto? Unser Auto!  Privates Carsharing boomt. Neben den Kostenvorteilen zeigt sich hier der Wunsch vieler Menschen, Ressourcen sorgsamer zu nutzen.

23. März 2015

Mein Auto? Dein Auto? Unser Auto! Privates Carsharing boomt. Neben den Kostenvorteilen zeigt sich hier der Wunsch vieler Menschen, Ressourcen sorgsamer zu nutzen.

Das Prinzip ist einfach: Mehrere Personen nutzen gemeinsam ein Auto, das sie von einem fixen Standort abholen und nach der Fahrt dort auch wieder abstellen. Anders als bei kommerziellen Anbietern – etwa Zipcar oder Flinkster – organisieren die Nutzerinnen und Nutzer den Betrieb aber selbst. Dafür gibt es viele Möglichkeiten: Das Auto kann dem Hauptnutzer gehören oder die Nutzenden organisieren sich als Verein und schaffen gemeinsam ein Auto an. In anderen Fällen, wie etwa beim Gaubitscher Stromgleiter in Niederösterreich, hat die Gemeinde die Autos gekauft. Sie werden für Dienstfahrten der Gemeinde, von Vereinen und für Privatfahrten der registrierten Nutzerinnen und Nutzer verwendet. Als Verein ist dagegen das Modell in der Salzburger Gemeinde Seekirchen organisiert. Die vier Fahrzeuge stellt das örtliche Autohaus Heiss-Hutticher zum Selbstkostenpreis zur Verfügung – und profitiert von der Werbung auf den Autos und der Aufmerksamkeit für das Projekt.

Loyale Gruppen entstehen

Die unterschiedlichen Modelle haben eines gemeinsam: Sie funktionieren unabhängig von den großen Anbietern – und sogar auf dem Land. In Seekirchen wohnen etwa 10.000 Menschen, in Gaubitsch nur knapp 900. Eine wichtige Voraussetzung ist eine geeignete Buchungsplattform. In Seekirchen und Gaubitsch wird das in Vorarlberg entwickelte System Caruso verwendet. „Die Idee ist, dass Sie sich selbst Leute suchen, mit denen Sie das Auto teilen wollen. Die Gruppe entscheidet selbst, wo ein Standplatz eingerichtet wird, welches Auto dort steht und sie ist auch für das Auto verantwortlich“, sagt Christian Steger-Vonmetz von Caruso. Er kennt auch die Vorteile der privaten Gruppen: „Die Menschen nehmen aufeinander Rücksicht. Es entsteht eine gegenseitige Loyalität, die wichtig ist für das Funktionieren des Systems.“ Besonders wichtig ist das etwa bei Elektro-Autos, wo die Ladedauer berücksichtigt werden muss.

Billiger als kommerzielles Carsharing

Ein weiterer Vorteil liegt auf der Hand: Es ist billiger, ein Auto gemeinsam zu nutzen, als es allein zu besitzen. Weil die privaten Modelle nicht auf Gewinn ausgerichtet sind, liegen die Kosten meist noch deutlich unter denen der kommerziellen Anbieter. Das ist aber nicht unbedingt die Hauptmotivation. „Sicher, es muss sich ökonomisch rechnen“, sagt Steger-Vonmetz. „In erster Linie möchten die Menschen etwas Sinnvolles tun, möchten sich umweltbewusst verhalten.“ Es hat sich in den vergangenen Jahren ein Bewusstsein entwickelt, dass es vernünftiger ist, manche Dinge gemeinsam zu nutzen. Gerade Autos bieten sich dafür an. Sie sind teuer, verbrauchen bei der Herstellung viele Ressourcen, werden meist nur eine Stunde pro Tag genutzt und verstellen in der restlichen Zeit viel Platz – in der Garage und im öffentlichen Raum. „Außerdem bietet Carsharing für viele die Möglichkeit, ein emissionsarmes Elektro-Auto zu fahren, ohne die hohe Anfangsinvestition von etwa 30.000 Euro tragen zu müssen“, so Steger-Vonmetz weiter.

Ein Blick auf die Internetseiten von Caruso und Carsharing 24/7, einer Sharing-Plattform aus Wien, zeigt, wie viele private Carsharing-Gruppen es in Österreich bereits gibt. Car-sharing entspricht einem von vielen Medien seit etwa zwei, drei Jahren als „Megatrend“ apostrophierten Phänomen: der Share-Ökonomie, der gemeinsamen, zeitlich begrenzten Nutzung von Ressourcen, die nicht dauerhaft benötigt werden. Das Internet spielt dabei eine zentrale Rolle, denn nur online lässt sich die gemeinsame Nutzung praktikabel organisieren. Ein bekanntes Beispiel ist Airbnb, bei dem Privatpersonen ihre Wohnungen für ein paar Tage oder Wochen anbieten. Das Auto-Teilen ist in manchen Punkten etwas komplizierter als das Wohnung-Teilen. „Der Aufwand, ein Sharing-Projekt ins Laufen zu bringen, ist relativ groß. Deshalb wollen wir die Leute dabei unterstützen“, sagt Steger-Vonmetz. Es geht dabei klarerweise um das Reservierungs- und Abrechnungssystem. Aber auch um konkrete Tipps, etwa um einen geeigneten Standort für das Fahrzeug zu finden – in größeren Wohnanlagen kann eine Kooperation mit dem Bauträger sinnvoll sein. Im öffentlichen Raum ist eine gute Erreichbarkeit wichtig. Oder die Zusammensetzung der Gruppe. „Ein Auto muss von unterschiedlichen Personen jeweils relativ intensiv genutzt werden, damit das Modell funktioniert, so Steger-Vonmetz. Ein anderer, wichtiger Punkt ist die Versicherung. Aber auch hier gibt es eine einfache Lösung: Caruso und Carsharing 24/7 bieten in Zusammenarbeit mit Versicherungsgesellschaften spezielle Pakete an.

 

"Carsharing bietet für viele die Mögglichkeit, ohne die hohe Anfangsinvestition ein emmissionsarmes Elektro-Auto zu fahren."

-Christian Steger-Vonmetz, Caruso

>> Weitere Informationen zu Gruppen in Ihrer Nähe, aber auch Tipps, wie Sie selbst eine Carsharing-Gruppe ins -Leben rufen können:
www.carusocarsharing.com
www.carsharing.com 

>> Zum Autor:
Bernhard Hachleitner, www.hachleitner.at


Edition: VCÖ-Magazin 2015-01



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