Ein Auto für viele Fahrer

14. Juni 2012

Ein Auto für viele Fahrer

Das Talente-Team von Caruso entwickelte ein Tool, das Autoteilen einfach macht.

Am teuersten ist ein Auto dann, wenn es viel herumsteht. Denn wer wenig fährt, hat dennoch die Fixkosten zu zahlen, die bis zu 80 Prozent betragen. Die Alternative dazu heißt Car-Sharing, oder auf gut Deutsch gesagt: Man teilt sich ein Auto. Was simpel klingt, ist in der Praxis oft nicht einfach umsetzbar. Denn ohne perfekte Logistik wird Car-Sharing zur komplizierten Angelegenheit.

Apps fürs Handy oder fixe Box

Eine in Dornbirn ansässige Talentegenossenschaft hat nun unter der Leitung von Mobilitätsmanager Christian Steger-Vonmetz ein System entwickelt, das das gemeinsame Benützen eines Fahrzeugs einfach macht. Durch das Reservierungstool Caruso, das als App fürs Handy oder im Internet verfügbar ist, können die relevanten Daten von jedem Ort abgerufen werden.

„Man kann also jederzeit nachschauen, ob das Fahrzeug frei ist“, betont der Ideenschmied. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Abrechnung über ein elektronisches Fahrtenbuch erfolgt, das mittels Smartphone mit dem Auto verbunden ist. Jede Fahrt wird auf diese Art genau erfasst – entweder über ein Mobiltelefon oder mit einer fix eingebauten Box. Daher bietet das System nicht nur für Private, sondern auch für Firmen interessante Optionen an. Erste Testgruppen, die das benutzerfreundliche System verwenden, haben sich bereits gebildet.

Auch im Ausland gefragt

Je nach Nutzungsart, Dauer und Wohnort bilden sich mehr oder weniger feste Fahrgemeinschaften. Wer zu einer Gruppe zugelassen wird, entscheidet der Autobesitzer. Steger-Vonmetz’ Idee trägt bereits die ersten Früchte. Denn sein System findet nicht nur in Vorarlberg Verwendung, sondern wird auch im Ausland vermehrt nachgefragt. „Ziel ist es, so viele Pools wie möglich zu gründen und die Autos mit unserem System auszustatten.“

************************************

„Das Auto ist kein Statussymbol mehr"

Ob Car-Sharing oder Car-to-go – Christian Steger-Vonmetz (42) kennt zukunftsträchtige Verkehrskonzepte.

Internet, Smartphone oder iPads geben uns neue Möglichkeiten, was die Mobilität in der Arbeitswelt betrifft. Wie wird sich die Mobilität auf der Straße entwickeln?

STEGER-VONMETZ: Das Auto wird ganz klar seinen Wert als Statussymbol verlieren. Das zeigt auch eine neue Schweizer Studie, dass es für die 18- bis 24-Jährigen nicht mehr ein Must-have ist, unbedingt einen Führerschein zu besitzen. Betrug die Anzahl 1994 noch 72 Prozent, sind es jetzt nur noch etwas über 50 Prozent. Statt eines individuellen Gegenstands wird das Auto vermehrt zu einem Fahrzeug werden, das man mit anderen teilt. Zum einen, weil dies effizienter und umweltfreundlicher ist, und zum anderen, weil man dadurch selbst viele Kosten sparen kann.

Letzteres ist allein schon wegen der steigenden Spritpreise ein großes Thema. Wie viel Geld spart man sich durch Car-Sharing wirklich?

STEGER-VONMETZ: Das hängt natürlich von mehreren Faktoren ab und von den gefahrenen Kilometern. Ich kenne Leute, die fahren vielleicht 2000 Kilometer im Jahr. Da rentiert sich ein eigenes Auto praktisch nicht. Prinzipiell gilt, dass ein Auto auch kostet, wenn man es nicht fährt. Deshalb macht eine effiziente Nutzung ja Sinn. Die Kostenersparnis durch das Autoteilen kann durchaus bei 3000 Euro pro Jahr liegen. Also eine beachtliche Summe.

Wie schätzen Sie als Experte die mobile Zukunft ein?

STEGER-VONMETZ: Auch was das Auto betrifft, werden sich gerade Junge immer weniger binden. Entweder man teilt es oder greift vermehrt auf Car-to-go-Konzepte zurück, die es in Großstädten schon gibt. In Wien stehen etwa 500 Smart auf öffendlichen Parkplätzen. Wer registriert ist, kann diese Autos benutzen. Abgerechnet werden Minutentarife.


Edition: VN - Vorarlberger Nachrichten vom 14.06.2012



< zurück zur Übersicht