Carsharing auf dem Vormarsch - Hat das eigene Auto ausgedient?

14. April 2015

Carsharing auf dem Vormarsch - Hat das eigene Auto ausgedient?

Die Grundidee von Carsharing ist simpel: Mehrere Personen teilen sich ein Auto. Das erhöht die Auslastung und senkt zudem die Kosten für jeden Fahrer. Was im Familienverband bestens funktioniert, war im kommerziellen Bereich jahrelang nur etwas für Hartgesottene. Fixe Abhol- und Rückgabeplätze, monatliche Fixkosten und undurchsichtige Tarifmodelle strapazierten das Nervenkostüm gehörig.

Doch die Zeiten ändern sich. Auf Europas Straßen sind immer mehr Carsharing-Fahrzeuge unterwegs. In Deutschland knackte die Anzahl der Nutzer diverser Angebote im vergangenen Jahr erstmals die Millionenmarke. Hierzulande wird speziell in Wien das Angebot kontinuierlich ausgebaut - auch weil das Prozedere sich stark gewandelt hat.

Bei Anbietern wie car2go oder Flinkster stehen die Autos mitten im Stadtgebiet, reservieren lassen sie sich per Smartphone. Bezahlt wird in der Regel pro Fahrminute, Wartung und Auftanken der Fahrzeuge übernehmen die Anbieter.

Alternative für Taxifahrten

Für Fahrten innerhalb der Stadt setzen daher immer mehr Menschen auf die Kurzzeitvermietung. Hat das eigene Auto damit bald ausgedient? "Carsharing ist für viele eine Alternative zum Taxifahren, das Familienauto für weitere Strecken ersetzt es aber auch künftig nicht", ist sich Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sicher.

Laut einer Studie des Online-Automarkts AutoScout24 würden 24 Prozent der Österreicher das eigene Auto künftig gern mit einem gemieteten Fahrzeug kombinieren.

Wenig verwunderlich, dass auch die Autobauer vermehrt auf Carsharing setzen. Der in Wien populäre Dienst car2go etwa ist eine Tochter von Daimler, auch BMW (DriveNow), Peugeot (Multicity) und Volkswagen (Quicar) sind mit ähnlichen Angeboten in ausgewählten Großstädten Europas am Start. "Im urbanen Raum ist das eigene Auto nicht mehr das Fortbewegungsmittel Nummer eins", sagt Gratzer.

Eine Gesellschaft im Wandel

Auf den nicht städtischen Bereich haben sich Anbieter wie Caruso spezialisiert. Die Online-Plattform unterstützt privates Carsharing mit einem digitalen Reservierungssystem und wird etwa in Seekirchen angeboten. Freilich gibt es für derartige Optionen noch gehörig Luft nach oben. "Unsere Gesellschaft ist im Wandel, gemeinsames Nutzen liegt im Trend", sagt Gratzer. In Salzburg ist die Firma Emil aktiv, die ihre Flotte mit E-Fahrzeugen ausgestattet hat. Kostenpunkt: 3,90 bis sechs Euro pro Stunde. Finanziell rechnen kann sich Carsharing für jeden Autobesitzer relativ rasch. "Im Schnitt steht ein privater Pkw 23 Stunden am Tag und kommt auf eine jährliche Fahrleistung von rund 13.000 Kilometern", sagt VCÖ-Mann Gratzer. Wer auf weniger gefahrene Kilometer komme, könne dank Carsharing Geld sparen.

68 Prozent der Österreicher legen freilich auch in Zukunft Wert auf ihren Privat-Pkw, glaubt man der Studie von AutoScout24.

Entscheidend für die "eigenen vier Räder" ist für viele dabei die Privatsphäre. Aber: 19 Prozent der Befragten sehen diese auch in einem gemieteten Wagen durchaus gewahrt.


Edition: Salzburger Nachrichten, 11.4.2015



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