Auto-Teilen kommt immer mehr in Mode

21. Dezember 2013

Auto-Teilen kommt immer mehr in Mode

Umweltfreundlich und unkompliziert: Carsharing erfreut sich in Österreich immer größerer Beliebtheit und erobert zunehmend auch den ländlichen Raum. Hat das eigene Auto bald ausgedient?

Die Grundidee von Carsharing ist denkbar einfach: Mehrere Personen teilen sich ein Auto. Das erhöht die Auslastung und senkt zudem die Kosten für jeden Nutzer. Was im Familienverband bestens funktioniert, war im kommerziellen Bereich jahrelang nur etwas für Hartgesottene. Fixe Abhol- und Rückgabeplätze, monatliche Fixkosten und undurchsichtige Tarifmodelle strapazierten das Nervenkostüm der Kunden.

Doch die Zeiten ändern sich. In Großstädten wie etwa in Wien sind immer mehr Carsharing-Fahrzeuge unterwegs - auch weil das Prozedere sich gewandelt hat: Bei Anbietern wie Car2Go oder Flinkster stehen die Autos mitten im Stadtgebiet, reservieren lassen sie sich per Smartphone. Bezahlt wird pro Fahrminute, das Auftanken übernehmen die Anbieter selbst.

Noch sind die Umsätze mit Carsharing recht gering. In Zukunft soll die Kurzzeitvermietung von Autos zum Milliardengeschäft werden. Die Zahl der Carsharing-Nutzer wird laut Experten von 0,8 Millionen im Jahr 2012 auf 15 Millionen im Jahr 2020 steigen. Einer aktuellen Studie des Online-Automarkts AutoScout24 zufolge können sich 14 Prozent der Österreicher mit "ausschließlichem Carsharing" anfreunden, weitere 24 Prozent würden das eigene Auto künftig gern mit einem gemieteten Fahrzeug kombinieren.

Wenig verwunderlich, dass auch die Autobauer vermehrt auf Carsharing setzen. Der in Wien populäre Dienst Car2Go etwa ist eine Tochter von Daimler, auch BMW (DriveNow), Peugeot (Multicity) oder Volkswagen (Quicar) testen ähnliche Angebote in ausgewählten Großstädten Europas. Auf den nicht städtischen Bereich haben sich Anbieter wie Caruso spezialisiert. Die Plattform unterstützt privates Carsharing mit einem digitalen Reservierungssystem und wird etwa in Seekirchen angeboten. In Salzburg ist die Firma Emil aktiv, die ihre Flotte mit E-Fahrzeugen ausgestattet hat. Kostenpunkt: 3,90 bis sechs Euro pro Stunde.

Finanziell rechnen kann sich Carsharing für jeden Autobesitzer relativ rasch. "Im Schnitt steht ein privater Pkw 23 Stunden am Tag und kommt auf eine jährliche Fahrleistung von rund 13.000 Kilometern", sagt Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Wer auf weniger gefahrene Kilometer komme, könne dank Carsharing Geld sparen. Ein weiterer Vorteil: "Bei den Anbietern gibt es meist für jede Fahrt das passende Fahrzeug - etwa einen Kleinwagen für die Stadtfahrt oder einen Kombi für einen Familienausflug", sagt Gratzer.

Das eigene Auto hat dennoch nicht ausgedient: 68 Prozent der Österreicher legen auch in Zukunft Wert auf ihren Privat-Pkw, glaubt man der Studie von AutoScout 24. Entscheidend für die "eigenen vier Räder" ist für viele dabei die Privatsphäre. Aber: 19 Prozent sehen diese auch in einem gemieteten Wagen gewahrt.


Edition: Salzburger Nachrichten, 21.12.2013



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